Kissing Monday – Die Macht des Kusses

Weil ich vor kurzem wieder daran erinnert wurde, wie gerne ich küsse, und weil überhaupt viel mehr geküsst werden sollte, habe ich diesen Text, den ich schon vor einiger Zeit geschrieben habe, wieder ausgegraben. Wie kann man eine Woche auch schöner beginnen als mit einem Kuss …?

Wien, 29.1.2017

Die Macht des Kusses. Manchmal sagt ein Kuss mehr als tausend Worte. Manchmal sagt er gar nichts, sondern spricht für sich selbst, steht einfach nur für das, was er ist: ein Kuss. Manchmal steht hinter dem Kuss Liebe, und trotzdem bringt er vorhandene Gefühle nicht richtig zur Geltung, kann nicht ausdrücken, was er eigentlich sollte. Manchmal passiert ein Kuss aus einer Laune heraus, aus reiner Abenteuerlust und Neugier, ist aber dennoch so voller Zärtlichkeit und Gefühl, so intensiv und hingebungsvoll, als wäre er zwischen zwei Liebenden passiert. Und der Reiz des gesamten Spiels dreht sich plötzlich nur noch um den Kuss.

Zungen sind dazu gemacht, Wörter zu formulieren und sich damit verständlich zu machen, manchmal müssen sie aber gar nichts sagen, und drücken sich so viel effektvoller aus. Machen Wörter und verschiedene Sprachen irrelevant. Und manchmal – ganz selten – liegt der Reiz eines solchen Kusses in einem simplen Sich-Berühren von Lippen, ganz zärtlich, ganz weich, dieses Einander-nur-leicht-Spüren erscheint einem süßer als das vollkommene Eins-Werden. Die Erde steht still, doch die Zeit läuft trotzdem weiter. Man möchte sie aber gerne aufhalten und ertappt sich dabei, wie der Kopf die berühmten Worte formuliert: Oh, Augenblick, verweile!

Manchmal darf man einen Kuss durchaus als perfekt bezeichnen. Wenn er einfach nur glücklich macht und erfüllt, ohne gleich bedeutungsschwer und symbolisch daherkommen zu müssen. Wenn er einen erschauern lässt und gleichzeitig das Gefühl absoluter Entspannung vermittelt. Wenn er einen innerlich und äußerlich wärmt, selbst im kältesten Winter. Wenn man die Zeit anhalten und sich ihm endlos hingeben will. Und vor allem wenn man weiß, dass man die berühmten Worte aussprechen darf, ohne dabei seine Seele an den Teufel verloren zu haben.

Manchmal ist ein Kuss auch ein Reset seines früheren Gefühlszustandes. Er macht Vergangenes vergessen und entbehrlich. Große Lieben und problematische Musen werden aus dem emotionalen Gedächtnis getilgt. Innerhalb von Minuten. Ein unendlich schönes Gefühl von Freiheit, Erleichterung und Unbeschwertheit. Man merkt es nicht sofort, doch wenn man es merkt, dann macht einen die Erkenntnis umso glücklicher. Emotionaler Nullzustand. Selige Gleichgültigkeit dem Alten gegenüber. Etwas, das man noch vor kurzem für unmöglich und unvorstellbar gehalten hatte. Man neigt dann auch überschwänglich dazu, diesen Kuss als idealen Glücksfall zu bezeichnen. Als ein gefühlvoll-zärtliches, emotionsfreies, pures Vergnügen zum Zwecke der Ausschaltung von emotionalen Ballasten also. Der ebenfalls berühmte Widerspruch in sich selbst, aber dennoch möglich. Aber dennoch möglich?

Die Macht des Kusses. Man sollte nicht immer alles analysieren und infrage stellen (obwohl man weiß, dass es Auswirkung auf seine zukünftige Arbeit als Schriftstellerin haben wird), sondern vieles einfach nur hinnehmen und genießen, was es bei einem bewirkt hat. Und die berühmten Worte trotzdem aussprechen dürfen. Aus reiner Sehnsucht und Verlangen nach schönen, seltenen und deshalb so sehr kostbaren Momenten und Begegnungen. Aus purer Lust am Leben.

carakiss

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Show me your true colours – Leseprobe „Die Muse. Eine erotische Reise“

„Du siehst so blass aus“, sagte sie plötzlich besorgt. „Stimmt etwas nicht mit dir? Geht es dir nicht gut?“

„Nein, alles in Ordnung. Es ist nur … Ich habe ein wenig Kopfschmerzen. Mein Nacken ist verspannt. Eigentlich mein ganzer Körper. Zu viel sitzende Arbeit am Schreibtisch und viel zu wenig Bewegung an der frischen Luft in letzter Zeit, befürchte ich.“

„Oder vielleicht hast du heute einfach nur zu wenig gegessen. Ich ziehe mich rasch an, damit wir zum Abendessen ausgehen können.“

„Nein, bitte, das musst du nicht. Lass dir Zeit, ich habe wirklich noch keinen großen Hunger!“, sagte er. „Und du siehst so wunderschön aus in diesem Kimono“, fügte er hinzu, obwohl er seine Gedanken eigentlich gar nicht in Worte fassen wollte.

„Findest du?“, fragte sie. „Es ist eigentlich schon ein uraltes Ding, das ich so gut wie gar nicht mehr trage. Auch weil ich glaube, dass mir dieses kräftige Rot gar nicht so wirklich steht.“

„Es steht dir ausgezeichnet“, widersprach er ihr. „Es unterstreicht deine lebendige Persönlichkeit. Rot ist außerdem meine Lieblingsfarbe.“

„Wirklich? Das hätte ich so gar nicht vermutet. Du bist mir eigentlich immer wie ein Blau-Typ vorgekommen.“

„Wieso?“

„Du wirkst nach außen hin eigentlich so ruhig und verschlossen, kühl, unnahbar, zurückhaltend, ein bisschen schüchtern und entrückt, aber gleichzeitig auch kreativ und kommunikativ. Solche Menschen fühlen sich eher von Blau angesprochen. Oder auch von Grün.“

„Was ist deine Lieblingsfarbe?“, wollte er von ihr wissen.

„Blau“, sagte sie augenzwinkernd.

Sie mussten beide lachen.

„Da sieht man wieder, was wir nach innen wirklich sind und was wir nach außen hin sein wollen“, philosophierte sie.

„Kreativ bist du ohne Zweifel. Aber ruhig und verschlossen oder gar schüchtern … Das passt so gar nicht zu dem Bild, das ich von dir habe!“

„Wie ich bereits sagte, die meisten spielen nach außen hin eine Rolle. Und manchmal spielen sie diese Rolle so gut, dass sie sich eine Zeit lang selber damit etwas vorspielen können. Manchmal sogar eine lange Zeit. Aber das wahre Ich lässt sich niemals ganz verdecken oder verändern. Irgendwann kommt es immer wieder zum Vorschein und will rausgelassen werden. Meist dann, wenn man es am wenigsten brauchen kann. Aber das ist wahrscheinlich ganz gut so.“

„Also deiner Theorie zufolge gehst du also davon aus, dass ich auch eine Rolle spiele …“

„Meiner Theorie zufolge, wenn Rot deine Lieblingsfarbe ist, muss ich davon ausgehen, dass du auch eine Rolle spielst. Allerdings nicht allzu gut, muss ich anmerken.“

„Wie meinst du das?“, fragte er irritiert.

„Deine Rolle ist noch nicht stimmig. Du musst noch an ihr arbeiten.“

„Ich denke nicht, dass ich eine Rolle spiele“, widersprach er ein wenig gekränkt.

„Doch, das tust du. Das tun wir doch im Grunde alle. Manche mehr oder weniger. Manche ganz bewusst, andere wieder unbewusst. Du machst es bewusst. Aber du würdest es selber niemals als eine Rolle spielen bezeichnen, sondern eher als eine Wand um dich errichten oder einen Schutzwall graben.“

„Das heißt du glaubst, dass ich den ruhigen, zurückhaltenden, kühlen Typen nur spiele und in meinem Innersten dann in Wahrheit – da ich ja Rot liebe – das genaue Gegenteil bin.“

„Genau. Ich glaube, dass du, was Emotionen angeht, ein brodelnder Vulkan bist. Ich spüre, dass du sehr leidenschaftlich, und temperamentvoll bist, dass du beide Eigenschaften aber bewusst im Zaum halten willst, weil du Leidenschaft und Gefühle als Schwäche auslegst, und du ein derart ehrgeiziger und zielstrebiger Mensch bist, dass du dir nicht erlaubst, vom dir geplanten Weg abzukommen, geschweige denn, dass du jemand anderem erlaubst, deine sogenannten Schwächen ausnutzen und dich dadurch von diesem Weg abbringen zu lassen.“

„Wenn du das sagst.“

„Nun, du hast dich mir ja anvertraut und mir einiges über dich verraten, deshalb ist manches für mich nicht mehr so schwer durchschaubar. Es ist vollkommen in Ordnung, zu sein, wie man ist. Es ist aber auch vollkommen in Ordnung, jemand anderer sein zu wollen und diese Rolle zu spielen. Wenn du dich damit wohler fühlst, dann tu das. Das Einzige, was mir ein wenig Sorge bereitet, ist, dass in dir auch eine gehörige Portion Wut schlummert. Dass sich diese Wut schon viele Jahre aufstaut. Irgendwann wird sie ausbrechen. Ich hoffe, das passiert eher früher als später, bevor sie zu gewaltig wird und nicht wieder gutzumachender Schaden angerichtet wird.“

„Du brauchst dir keine Sorgen um mich zu machen. Das Einzige, was im Moment in mir brodelt, sind die Kopfschmerzen.“

„Das tut mir leid“, sagte Máirín. „Warte einen Augenblick, ich hole dir eine Kopfschmerztablette.“

Sie verschwand erneut im Badezimmer und war wenig später mit einem Glas Wasser und einer Tablette zurück.

„Hier. Ist ein Teufelszeug. Sollte in einer halben Stunde spätestens wirken. Ich habe nur sehr selten Kopfschmerzen, aber wenn, dann heftig. Und das ist das einzige Mittel, das mir dann hilft.“

Bernard schluckte die Tablette hinunter und lehnte sich entspannt zurück.

„Während wir warten, bis es dir besser geht, können wir ja ein wenig Musik hören. Zieh die Vorhänge zu, dreh das grelle Licht ab, und ich organisiere uns an der Rezeption ein paar Kerzen“, sagte sie und verließ das Zimmer.

Während sie unterwegs war, um die Kerzen zu holen, verdunkelte er das Zimmer und suchte nach einem Klassiksender. Dann ging er ins Badezimmer und wusch sich das Gesicht mit kaltem Wasser. Das würde ihn vielleicht wieder ein wenig runterbringen. Hoffte er zumindest.

Máirín brauchte wesentlich länger als nur ein paar Minuten, aber nach etwas mehr als einer viertel Stunde war sie doch zurück, in der Hand eine Papiertüte mit dem Werbeaufdruck einer Drogerie.

„Natürlich hatten sie keine Kerzen an der Rezeption. Aber der nette junge Mann, der uns heute Morgen mit den Koffern geholfen hat, ist für mich in die Drogerie ums Eck gegangen und hat welche gekauft. Zusammen mit ein paar Kerzenhaltern und einer Flasche Massageöl. Und er hat sogar das richtige erwischt“, sagte sie, betrachtete die kleine Glasflasche und nahm dann auch die restlichen Sachen aus der Tüte.

Sie stellte je einen Kerzenhalter auf das kleine Nachtkästchen und auf den Tisch vor dem Fenster. Dann zündete sie die Kerzen an und setzte sich aufs Bett.

„Zieh dein Hemd aus und leg dich hin!“, forderte sie Bernard auf.

Er zögerte, wusste nicht recht, ob sie es ernst meinte oder ihn aufzog.

„Sieh mich nicht so entsetzt an“, sagte sie und lachte. „Ich will dir nichts Schlimmes antun, aber ich bin eine recht passable Masseuse, und vielleicht gelingt es mir ja, ein paar deiner Verspannungen wegzumassieren und so deine Kopfschmerzen zu lindern.“

Er zog das Hemd aus und setzte sich neben sie aufs Bett.

„Wie soll ich mich hinlegen?“, frage er unsicher.

„Am besten ganz flach auf den Bauch. Und die Arme seitlich wegstrecken“, wies sie ihn an. „Mach es dir gemütlich. Ich hole mir nur noch schnell eine Flasche Mineralwasser aus der Minibar. Und vielleicht einen kleinen Whisky zum Aufwärmen. Nach dem Regen hat es doch ziemlich abgekühlt.“

„Aber du musst das nicht für mich tun. Ich meine, warum solltest du auch?“, warf er ein.

„Mach dir keine Gedanken darüber. Ich weiß, dass ich das nicht tun muss, und ich mache prinzipiell nichts, was ich nicht auch tun will. Also entspann dich und genieße es einfach.“

Sie hatte gut reden, dachte er. Wie sollte er sich in dieser Situation entspannen? Die Frau, die er vor Kurzem nackt in der Wanne gesehen und die ihm in den letzten Tagen durch ihre bloße Anwesenheit und flüchtige Berührungen eine Erektion nach der anderen beschert hatte, würde ihm den Rücken massieren. Er glaubte nicht, dass er sich dabei wirklich entspannen konnte. Aber er würde sich bemühen. Das Ambiente, das sie im Zimmer geschaffen hatte, war zumindest danach.

Sie kniete sich neben ihm hin, öffnete das Fläschchen mit dem Massageöl und goss eine großzügige Menge davon auf ihren Handflächen, die sie zuvor angewärmt hatte. Langsam und ganz sanft begann sie ihre Massage an den Schultern.

Sie fühlte sofort, wie sehr er verspannt war, war sich aber nicht sicher, ob das nicht nur an der Situation lag. Sie an seiner Stelle wäre sicher auch verkrampft gewesen, versuchte sie sich in seine Lage zu versetzen. Sie war, wer sie war, Máirín O’Laughlin, die Romanautorin, und außerdem seine Lehrerin. Und er war nicht einer ihrer Spielgefährten, sondern ihr Schüler. Und zwanzig Jahre jünger als sie. Sie fand es ohnehin beeindruckend, dass er es gewagt hatte, sie an jenem Nachmittag letzte Woche um diesen Spaziergang zu bitten und am Abend darauf einfach so in ihr Zimmer zu spazieren, als wäre das das Natürlichste auf der Welt, als wären sie seit vielen Jahren die dicksten Freunde.

Aber genau das war es, was sie fühlte, wenn er bei ihr war. Dass sie jemanden an ihrer Seite hatte, den sie schon ihr halbes Leben kannte. Jemand, der ihr vollstes Vertrauen genoss und ihr Geheimnisse abrang, die sie niemandem sonst verraten hätte. Was an ihm es war, das das in ihr auslöste, wusste sie nicht, aber sie wusste, dass er ihr guttat, dass er gerade dabei war, ihr Leben zu verändern. Und zwar in einer Weise, die ihr außerordentlich gut gefiel. Sie hatte sich schon lange nicht mehr so unbeschwert gefühlt. Er war der Einzige, bei dem sie so sein konnte, wie sie wirklich war, weil sie wusste, dass er nicht über sie urteilte, sondern sie einfach so akzeptierte, wie sie war, und es schien, als würde ihm ihr wahres Wesen gefallen.

Die langsamen Bewegungen, mit denen sie ihn massierte, der Geruch des Massageöls und der Whisky, den sie nebenbei trank, versetzten sie in eine Art Trancezustand, und sie vergaß Raum und Zeit.

Erst als sie irgendwann einen Blick auf die Uhr warf, merkte sie, dass es beinahe Mitternacht war und sie ihn einige Stunden lang massiert hatte.

Sie hatten in all der Zeit kaum ein Wort miteinander gesprochen, genossen die Stille und mittlerweile fühlte sich sein Körper unter ihren Händen so weich und widerstandslos an, dass sie wusste, dass er nun wirklich vollständig entspannt war.

Sie nahm noch einen kräftigen Schluck von ihrem Whisky und forderte ihn danach auf, sich aufzusetzen.

„Ich möchte noch deinen Nacken und deine Arme massieren“, sagte sie. „Aber ich komme da besser ran, wenn du dich mit dem Rücken zu mir aufrecht hinsetzt.“

Er machte, was sie ihm aufgetragen hatte und setzte sich im Türkensitz vor sie auf das Bett.

Máirín kniete sich hinter ihn und legte ihre Hände auf seinen Nacken. Sie rieb sich noch mehr Öl auf die Handflächen und begann, ihn sanft zu massieren.

Sie liebte seinen Nacken. Er war perfekt geformt. Glatt und schlank. Sie mochte Männer mit allzu muskulösen, breiten Nacken nicht. Aber seiner sprach sie besonders an. Ihn zu berühren, verursachte ihr Gänsehaut.

Der intensive, süßliche Geruch des Massageöls stieg ihr zu Kopf, der Whisky hatte es längst getan. Der Anblick seines Nackens erregte sie, seine Haut zu berühren, verursachte ihr plötzlich Gänsehaut. Sie griff noch einmal nach dem Öl und fettete ihre Hände ein. Sie zögerte kurz. Dann schloss sie ihre Augen, sog den Duft des Öls tief ein und küsste ihn auf Nacken und Schultern. Gleichzeitig ließ sie ihre Hände zur Vorderseite seines Körpers wandern und begann, seine Brust zu massieren.

Sie hatte nicht vor, ihn zu verführen. Sie wollte nur seinen Duft in sich aufnehmen, ihn umarmen, mit ihrer Haut seine berühren, seine Brust und seinen Bauch streicheln, ihn alles um sie herum vergessen lassen. Wollte ihm die vollkommene Entspannung bieten. Dabei geriet sie immer mehr in Ekstase und bewegte sich dabei in Regionen vor, die sie eigentlich unberührt lassen wollte …

(„Die Muse. Eine erotische Reise“, Cara Roth, 2015)

Foto-Art by Josef Brodträger, Wien, Juli 2017

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In den Schuhen, die Du mir geschenkt hast – Leseprobe

Liebe Mama!

Draußen regnet es. Ein leichter Nieselregen. Doch obwohl es bereits Ende Oktober und noch sehr früh am Morgen ist, ist es nicht kalt. Oder ich habe nicht gespürt, dass es kalt ist. Die Eile, die ich hatte, hierher zu kommen, und die Nachricht, die mir die Krankenschwester am Telefon überbracht hat, sie haben mich alles um mich herum vergessen lassen.

Wie in Trance bin ich die Strecke hierher gefahren. Eine Strecke, die mir immer viel zu lange erschien, aber heute noch länger vorkam als all die Wochen davor, als ich Dich hier an Deinem Krankenbett besuchen kam.

Die Ampeln auf dem Weg hierher, sie schienen alle auf Rot zu sein. So als wollten sie mich davon abhalten, bei Dir anzukommen. Und auch der ohnehin schon endlos lange Gang vom Eingang des Spitals bis zu Deinem Zimmer im letzten Winkel der 2. Medizinischen Station schien heute kein Ende nehmen zu wollen. Ich fühlte mich in einen Roman von Kafka versetzt. Empfand es als so surreal.

Und nun stehe ich vor Dir, und es wird mir schlagartig klar, dass nichts unendlich ist auf dieser Welt. Kein Weg und schon gar kein Menschenleben. Noch nicht einmal die Welt selbst. Warum aber hoffen wir dann darauf, dass die Menschen, die wir lieben, immer für uns da sein werden? Weil wir das Unvermeidliche verdrängen, weil wir dem Tod in unserem Leben keinen Platz einräumen wollen?

Oder hatte ich so sehr gehofft, weil ich wusste, dass diesmal die Hoffnung alles war, was mir bleiben würde? Und jetzt, wo Du tot bist, gibt es denn da überhaupt noch etwas zu hoffen? Hat mein Leben denn dann überhaupt noch Sinn?

Du warst – gewollt oder ungewollt – der Fokus in meinem Leben. Deine Krankheit hat Dich ins Zentrum des Interesses gerückt, hat Dich zu einer Person gemacht, auf die sich alle Aufmerksamkeit richtete. Hat das Leben aller Familienmitglieder bestimmt.

So viel Angst, ein ganzer Fluss vergossener Tränen, so oft dem Tod so nah, und dann doch immer wieder der Sieg der Hoffnung.

Ein Happy End, so wie man es sich in jedem Film wünscht. Du hast nie aufgehört, zu kämpfen, hast immer gewonnen. Sieg um Sieg um Sieg errungen. Obwohl ich immer gezweifelt, obwohl ich immer befürchtet hatte, Du würdest verlieren. Immer hast Du mir gezeigt, wie stark Du warst, mir stets vorgelebt, dass man nie aufgeben darf, nie aufhören darf zu kämpfen.

Im Laufe der Jahre warst Du für mich zu einer Unbesiegbaren geworden. Egal, wie oft der Tod an Deine Tür geklopft hatte, Du hast sie ihm immer wieder vor der Nase zugeschlagen, und jeden noch so großen Stein, den man Dir vor die Füße warf, hast Du stets beiseite geräumt, wohl wissend, dass der nächste nicht lange auf sich warten lassen würde.

„Was dich nicht umbringt, macht dich stark!“, hast Du immer gesagt, und ich habe in meinem Leben nur wenige kennengelernt, die stärker waren als Du. Doch dieser Mythos Deiner Unbesiegbarkeit, den ich mir selber geschaffen hatte, er hat mich allzu zuversichtlich gemacht, mich in Sicherheit gewiegt, mir vorgegaukelt, dass Du auch diese Schlacht wieder gewinnen würdest. Wie immer.

Warum hast Du dem Tod diesmal erlaubt, Dich auszutricksen? Warst Du nicht auf ihn vorbereitet? Hast Du ihn diesmal nicht ernst genommen? Warum hast Du nicht gegen ihn gekämpft? So wie sonst auch. Wie konntest Du das nur zulassen?!

Ich möchte Dir all diese Vorwürfe an den Kopf werfen, Dich so lange mit ihnen quälen, bis Du die Augen endlich wieder öffnest und mir sagst, dass ich aufhören soll, Dich damit zu sekkieren, wie Du es mir in den letzten Monaten so oft gesagt hast.

Ich will Dich damit provozieren, will dass Du Dich mit mir streitest. Das hast Du doch so gerne gemacht, mit mir streiten. Hast mich oft in den Wahnsinn getrieben mit Deinen Sticheleien und Deinem Bedürfnis, alles lautstark ausdiskutieren zu wollen. Und jetzt, wo ich von mir aus dazu bereit bin, jetzt kneifst Du, gibst mir einfach keine Antwort. Gib mir eine Antwort! Ich verlange eine Antwort von Dir, die schuldest Du mir. Hab den Anstand und beantworte mir diese letzten Fragen! Bitte. Ich flehe Dich an.

Ich drücke Deine Hand so fest, wie ich mich nur traue, aber je länger ich sie festhalte, desto kälter wird sie. Diese Hand wird nie wieder auf einen Händedruck reagieren. Sie wird keine Briefe und keine Geburtstagskarten mehr schreiben, keine neuen Weintraubenstöcke mehr pflanzen und keinen Apfelstrudel mehr backen. Sie wird sich niemals wieder vor Ärger oder Schmerz zu einer Faust ballen oder liebevoll den Hund streicheln.

Diese letzten Fragen, die ich an Dich gerichtet habe, Du wirst sie mir nicht mehr beantworten, so sehr Du das vielleicht auch gerne tun würdest. Doch ein Blick in Dein Gesicht gibt mir eine sehr viel ausführlichere Antwort, als mir lieb ist. Ich habe einige auf ihrem Sterbebett begleitet, öfter und unverhoffter, als ich mir hätte vorstellen können, doch sie alle hatten im Tode letztendlich einen Gesichtsausdruck des Friedens oder zumindest der Akzeptanz. Aber Dein Gesichtsausdruck, er ist so völlig anders, er spiegelt Entsetzen und große Qualen wider. Wohl noch viel größere Angst und Schmerzen, als Du in den letzten Jahren und vor allem Monaten ohnehin ertragen musstest.

Die Krankenschwestern haben Deinen Kopf eingebunden, wohl um zu verbergen, dass Du mit weit aufgerissenem Mund gestorben bist. Mit einem letzten Schmerzensschrei, der so laut gewesen sein muss, dass er sich für alle Ewigkeit auf Dein Gesicht eingebrannt hat.

Der Tod ist in der Nacht gekommen. Doch wie immer hast Du Dich mit Händen und Füßen gegen ihn gewehrt. Du hast ihn längst hinter der Ecke lauern sehen, wie so oft, und sehr wahrscheinlich wusstest Du ganz genau, dass es diesmal der letzte Kampf sein würde, doch Du hast scheinbar nicht aufgeben wollen, hast so lange gegen ihn und die Schmerzen angekämpft, bis Du nicht mehr konntest.

Du warst alleine in dieser dunklen Nacht, ich war nicht an Deiner Seite, wie ich es hätte sein müssen. Ich wähnte Dich hier in guten Händen, hatte darauf vertraut, dass Du auch diese Runde gewinnen würdest. Du, die Unbesiegbare. Ich war nicht an Deiner Seite in dieser dunklen Nacht, weil ich darauf vertraut hatte, dass wie immer alles wieder gut werden würde. Eingelullt in grenzenlose Hoffnung und Zuversicht.

Die Antwort auf meine Fragen, ich kann sie in Deinem Gesicht ablesen. Du warst auf ihn vorbereitet, hast ihn kommen sehen und gegen ihn angekämpft, obwohl Du wusstest, dass Du diesmal verlieren würdest.

Der Tod, er hat nur mich ausgetrickst. Ich hatte ihn nicht auf meiner Liste, konnte ihn nicht hinter der Ecke lauern sehen so wie Du, wohl weil ich ihn nicht sehen wollte, und hätte ich ihn doch wahrgenommen, so hätte ich in ihm keinen ebenbürtigen Gegner erkannt, hätte ihn verhöhnt.

Wegen meiner Ignoranz musstest Du die letzten Stunden alleine verbringen, die Schmerzen ganz alleine ertragen. Just in diesen letzten Stunden war ich nicht an Deiner Seite, obwohl ich so viele schwere Momente mit Dir geteilt habe.

Es tut mir leid, Mama, ich habe mich hinters Licht führen lassen, ihn nicht ernst genommen, schon geplant, wie wir unser Leben nach Deiner Entlassung aus dem Spital organisieren werden. Ich, ein Mensch, der immer nur in der Gegenwart, nur gelegentlich in der Vergangenheit lebt, aber so gut wie nie an morgen denkt, habe im Geiste eine Zukunft geplant, die es nun nicht mehr geben wird, nie gegeben hat.

Gerne würde ich ihn zur Rede stellen, den Tod, ihn herausfordern, doch obwohl er immer unter uns ist, wird er mir diesen Wunsch wohl hier und heute nicht erfüllen.

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New Vienna (Blog) Story – The Traveller

Voilà – here comes the second Vienna (Blog) Story, dedicated to the guy who I once called love of my life and mainly to all the cafés Vienna is famous for (among many other things of course), all those lovely places where I spend so much time drinking coffee, eating apfelstrudel and writing most of my stories. This is one of them …

https://oursecretlibrary.wordpress.com/vienna-stories/

Die Muse – Feuer und Eis. Die Geschichte einer Entstehung – Aus Caras Nähkästchen

Wien, 28.5.2017

Fünf Monate waren vergangen, seit sie einander das letzte Mal gesehen hatten. In jenem August. In jenem Sommer, der kein richtiger Sommer gewesen war. Sie hatte ihn nicht vermisst in all der Zeit. Keine Sekunde lang. Warum auch. Sie hatte ihm ja gesagt, er solle sich zum Teufel scheren. Und er hatte ihrem Wunsch gehorcht.

Ob sein Leben in der Zwischenzeit die Hölle oder der Himmel gewesen war, war ihr eigentlich völlig egal gewesen. Sie hatte ihr eigenes Leben zu leben gehabt. Und das war turbulent und aufregend genug gewesen in all der Zeit. Ihr war es ziemlich gut gegangen, sie hatte ihr Leben so intensiv gelebt wie auch zuvor. Wozu aber hoffen, dass es ihm genauso gut ging wie ihr?

Dass sie ihn zum Teufel gejagt hatte, war ohnehin seine Schuld gewesen. Er hatte alles kaputt gemacht. Mit seinem idiotischen Verhalten ihr gegenüber. All die schönen Stunden, die sie miteinander verbracht hatten, diese lauen Sommernächte, in denen sie sich so heftig geliebt hatten, so leidenschaftlich, so intensiv, sie waren mit einem Schlag bedeutungslos geworden für sie. Eine nette Erinnerung bestenfalls, ein schönes Foto fürs Album, das sie sich in vielen Jahren vielleicht einmal anschauen würde. Oder auch nicht.

Warum sie all die Monate an ihn verschwendet hatte, wusste sie ohnehin nicht mehr. Er war es eigentlich nicht wert gewesen. Obwohl sie wusste, dass er immer ehrlich zu ihr gewesen war, so hatte sie doch gespürt, dass er es nie ganz gewesen war. Das hatte sie stets gekränkt. Und immer wenn sie eine besonders schöne Nacht miteinander verbracht hatten, zog er sich am Tag darauf wieder zurück, ging ihr aus dem Weg, oft für Wochen. Das machte sie rasend. Es erinnerte sie zu sehr an den anderen, an den Einen, an den sie nicht mehr hatte denken wollten, aber immer wenn sie beide eine Nacht miteinander verbracht und er sich dann genauso verhalten hatte wie jener damals, dann hatte sie an jene Zeit zurückdenken müssen. Und das hatte sie noch rasender gemacht.

Es war also mehr als gut, dass er aus ihrem Leben verschwunden war, jemand anderen gefunden hatte in der Zwischenzeit auch, jemanden, mit dem er nun glücklich sein konnte. Oder auch nicht. Es war ihr herzlich egal.

Und letztendlich wusste sie auch, dass er sowieso keine andere finden würde, mit der es schöner sein würde als mit ihr. Sie mochte vieles aus der Zeit mit ihm absichtlich verdrängt haben, aber ihre letzte gemeinsame Nacht, jene heiße Augustnacht, in der sie nicht hatte schlafen können, weil alles so intensiv gewesen war, weil sie keine Sekunde davon hatte mit Schlafen vergeuden wollen, jene Nacht würde sie nie vergessen können.

Sie zündete eine Kerze an, schenkte sich ein Glas von dem Wein ein, den sie in jener Nacht getrunken hatten, löschte alle anderen Lichter aus und machte es sich auf dem Bett bequem.

Der Wein war gut gekühlt und schmeckte so herrlich fruchtig und einladend. Wie seine Lippen. Sie genoss Schluck für Schluck, ließ sich jeden einzelnen davon auf der Zunge zergehen. So wie sie sich den Geschmack seiner Haut auf der Zunge zergehen lassen hatte, wenn sie seinen Körper entlanggeleckt hatte. Vom Hals abwärts. Ganz langsam. Um ja nichts zu verpassen. Und um seine Lust zu steigern. Ganz langsam.

Von all den Liebhabern, die sie in ihrem Leben gehabt hatte, war er wohl derjenige gewesen, der sie am meisten genossen hatte. Weil er sich einfach fallen lassen konnte, weil er sich nie wehrte, egal was sie mit ihm anstellte. Und dabei doch nie passiv war, sondern sie immer mit sich in den Sog der Lust hineinriss.

Wenn sie ehrlich zu sich war, dann war er auch der Einzige gewesen, der sie schon in einen Sog der Lust hineingerissen hatte, wenn sie alleine nur an ihn dachte. Seine körperliche Anwesenheit war dazu gar nicht nötig gewesen, war es auch jetzt nicht, als sie hier ganz entspannt auf ihrer Matratze saß, das leere Weinglas auf das Fensterbrett über ihrem Bett stellte und sich danach in ihre Kissen zurückfallen ließ.

Es war warm im Zimmer, so wie damals in ihrer letzten gemeinsamen Nacht. Sie schloss die Augen und erlaubte ihren Gedanken, auf Zeitreise zu gehen. Spürte, wie er den Gürtel ihres Kimonos aufband und mit seiner Hand über ihren Bauch streichelte. Sah, wie er sie anlächelte, bevor er sich zu ihr hinunterbeugte und ihre Brüste küsste. Jeder einzelne dieser Küsse brannte heißer als das Höllenfeuer, und genau dorthin war er jetzt wieder im Begriff, sie zu werfen, als er sie zu sich hoch- und ihr den Kimono auszog. Er wollte sie nackt, damit sie ungeschützt war und sich jede seine Berührungen und jeder seiner Küsse in ihre Haut einbrennen konnten. Er wusste genau, was er damit bei ihr auslöste, und er genoss es unendlich.

Manchmal, wenn sie es trotz der Ekstase, in die sie sich aufgelöst hatte, geschafft hatte, ihre Augen zu öffnen und ihm einen Blick zuzuwerfen, da hatte sie dieses teuflische Blitzen in seinen Augen sehen können, dieses diabolische Lächeln auf seinen Lippen, die so süß und fruchtig schmeckten wie der portugiesische Wein, von dem sie auch nie genug kriegen konnte. Er hatte es genossen, diese Macht über sie zu haben, weil er genau gewusst hatte, dass sie noch nie ein anderer vor ihm gehabt hatte, und sie hatte es genossen, dass er so empfunden hatte, weil es ihr gleichzeitig Macht über ihn verliehen hatte.

Sie hatte ihm diese Macht eingeräumt, weil er so viele Dinge in ihr ausgelöst hatte, sie damit glücklich gemacht und inspiriert hatte, gewährte sie ihm auch in diesem Moment der Lust, den sie gerade empfand. Die Macht, die er über sie hatte, obwohl er gar nicht da war.

Sie lag nackt auf ihrem Bett, bereit für mehr Berührungen und Küsse, bereit ihn völlig in sich aufzunehmen. Sie lächelte ihn an und zog ihn ganz tief an sich heran. Mit seiner ersten Bewegung begann sich das Zimmer um sie herum zu drehen, die Welt wurde von Minute zu Minute mehr zum Karussell, um dann plötzlich stehenzubleiben und bedeutungslos zu werden. Als sie die Augen wieder öffnete, strahlten die Grautöne der Nacht in allen Farben des Regenbogens, erzählten tausend Geschichten. Zwischen all dem Bunt nahm sie endlich auch seine Augen wahr, die sie anschauten. Ein Ausdruck, den sie noch nie zuvor an ihm gesehen hatte, eine Mischung aus ungläubigem Staunen und dem plötzlichen Glauben an unendliche Freuden. Sie brauchte auch keinen weiteren Gedanken daran zu verschwenden, weil sie genau dasselbe empfand.

Die Erde begann sich wieder zu drehen, und sie grub ihre Fingernägel tiefer in seinen Rücken, um einen besseren Halt zu bekommen, klammerte ihre Beine noch fester um seine Hüften.

Plötzlich beugte es sich zu ihr hinunter und legte seine Wange auf ihre.

„Ich wünschte, ich könnte für immer so daliegen, für den Rest meines Lebens“, flüsterte er ihr ins Ohr.

„Es fühlt sich an, als wäre es mein erstes Mal, als hätte es die anderen vor dir nicht gegeben“, erwidert sie. Und obwohl sie wusste, dass sie diesen Satz nicht nur in jener Augustnacht zu ihm gesagt hatte, sondern schon einmal davor in ihrem Leben, nämlich diesem Einen, den anderen, an den sie nie wieder, und in diesem Moment schon gar nicht, denken wollte, meinte sie ihn trotzdem genau so.

Es war heiß geworden in ihrem Zimmer. Sie spürte die Hitze, obwohl es Ende Februar war, die Nacht vor ihrem Fenster eiskalt und sie völlig nackt auf ihrem Bett ausgestreckt. Er hatte die kalte Februarnacht in eine Augustnacht verwandelt.

Er hatte diese Macht über sie. Immer noch. Obwohl er längst aus ihrem Leben verschwunden war, sich längst zum Teufel geschert hatte. Obwohl sie schon fünf Monate lang nichts voneinander gehört hatten.

Zum Glück war er ihr völlig egal geworden in all der Zeit, sodass dieses Aufwallen der Vergangenheit ihr nichts anhaben konnte, sie diese erotische Erinnerung als das betrachten konnte, was sie war: eine Eskapade, die bereits im Morgengrauen bedeutungslos geworden sein würde.

Ihr Kimono lag auf dem Boden. Er hatte ihn wohl dorthin geworfen, wie damals, als es ohnehin zu heiß und es viel besser gewesen war, nackt zu sein. Auch diese Nacht war es viel zu heiß, deshalb beschloss sie, ihn auch jetzt dort liegenzulassen und nackt zu bleiben und sich stattdessen lieber noch ein Glas Wein einzuschenken.

Sie genoss ihn, den Wein, Schluck für Schluck, und lächelte dabei. Er hätte auch gelächelt, es auch teuflisch genossen, wenn er in diesem Moment gewusst hätte, welche Macht er immer noch über sie besaß. Zum Glück wusste er es nicht.

Das Klingeln ihres Smartphones riss sie aus ihren Gedanken. Sie hatte wohl eine Textnachricht bekommen. Der Klingelton irritierte sie. Sie hatte diesen Ton nur einem zugeordnet, und der hatte sich vor fünf Monaten zum Teufel geschert.

Irritiert nahm sie das kleine schwarze Gerät in die Hand, um dem Irrtum auf die Spur zu kommen.

„Ich musste gerade an Dich denken“, stand da. „Ich weiß nicht warum. Aber ich dachte, vielleicht hast Du auch gerade an mich gedacht. Weil es ja oft so ist, dass wir im selben Moment aneinander denken. Vielleicht hast Du ja auch nicht gerade an mich gedacht. Aber ich wollte Dich wissen lassen, dass ich seit kurzem wieder Single bin, und … naja, ich würde Dich einfach gerne wiedersehen, wenn Du das auch willst. Ich dachte einfach, Du würdest Dich freuen, wieder von mir zu hören.“

Scher dich zum Teufel!, war das Einzige, was sie dachte, und sie lächelte dabei, weil sie wusste, dass sie immer noch diese Macht über ihn hatte. Dann nahm sie das Smartphone erneut in die Hand und begann, ihm eine Antwort zu schreiben …

Mateus

Sweet Spring – First Vienna (Blog) Story

Yesterday I promised you the first Vienna (Blog) Story and – voilà – here it is! As I also explained yesterday, each story will take place in a location in Vienna that brings back memories to me, good or bad ones.

This first story of course had to be about the place in Vienna I like best, not only because it is the nicest bar/restaurant in town, but also because I fell in love there, this spring, drinking a cocktail called „Sweet Spring“ and looking into two beautiful eyes. This spring was a sweet spring for me for that reason. And even now that the love-story has already become a memory, I will always look back at those few weeks, in which I was happy as happy one can be, and I will always be smiling thinking about that time.

This is mainly to Jakob, to whom this story is also dedicated. Coincidentally, it’s his 25th birthday today. Happy B-Day, Jakob!

Of course I also dedicated this story to the whole Chestnut team who make me smile and feel good whenever I pop in, too.

I hope you’ll like the story and – who knows – maybe you even will want to sip a Sweet Spring at the Chestnut, too. I promise you won’t be disappointed.

Here’s the story …

https://oursecretlibrary.wordpress.com/vienna-stories/

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(A cocktail called Sweet Spring.)

Vienna (Blog) Stories

People I meet keep asking me why I don’t write my books in English or why my blog isn’t in English, so that, at least, they can get the latest news about my work and life.

With friends and curious readers all over the world, writing my books in English would be an excellent idea, but I will probably be keeping on writing in my mother tongue, at least mostly, and maybe, one day, I will translate more of my novels and tales into English. If I find the time to do it. But time being the real problem, it’s not on the agenda for now.

Last night though – which was one of the weirdest nights in recent times – that idea came into my mind. It was because of the guy I was going out with and the location he had chosen for our date. A place I frequently had had a glass of wine at when I was much younger. So many memories of the past combined with a good conversation and so many even better vibes … and – voilà – the idea became very concrete: Shortest short stories taking place in different locations in Vienna. Places I have been to, places that bring back memories, places that would tell stories if only they could. But them not being more than silent observers, I will be doing the telling on their behalf.

So after another night of rain and weirdness, it’s another sunshiny day. I just cut the first roses in my garden, now I am going to cut out some memories and try to make beautiful oregami flowers out of them. To be placed on my blog. Well, and maybe the first story will be about the night that brought back all those memories and all that rain that tried to wash them away …

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